Samstag, 11. Januar 2014

Mutters Pflegeheim

Jeden Samstagvormittag besuche ich meine Mutter in ihrer "Wohnung" im Pflegeheim.
Bringe ihr Obst, Zeitung oder Blumen mit und erzähle ihr was so bei uns in der letzten Woche passiert ist.
Sie erzählt so gut wie nichts.
Die kleine aber moderne Wohnanlage in L-Form mit bodentiefen Fenstern wurde vor 10 Jahren erbaut.
Alle 61 Bewohner haben ihre eigene 25 qm-"Wohnung" mit Schlüssel und einer Klingel an der Türe.
Die Wohneinheit besteht aus einem Wohn- und Schlafbereich, Bad und Flur.
Sind mit eigenen Möbeln, Bildern und Erinnerungen ausgestattet.

Im Innenhof mit altem Baumbestand, Wintergarten, Terrasse und Rasenfläche, werden sommers wie winters Feste abgehalten.
Sitzgruppen laden zum Verweilen ein.

Meine Fotos habe ich alle aus dem Handgelenk geschossen, wenn gerade niemand zu sehen war.
Deshalb nicht immer gerade von der besten Seite fotografiert. ;o)
Im Eingang steht zur Zeit eine Winterlandschaft auf einem alten Herd und einem Musikschrank.
Wenn man weiter geht kommt man zur großen Krippe.
Aber nicht nur zur Weihnachtszeit ist hier geschmückt.
Gegenüber eine der guten Stuben, die im Haus verteilt eingerichtet sind.
Sie laden zum Verweilen ein, zum Ausruhen oder auch wenn Besuch da ist.
Die Cafeteria ist jeden Nachmittag geöffnet.
Zum Mittagessen auch für Besucher und 2x in der Woche gibt es frische Waffeln mit Kirschen.
Auch Bingo, Gedächtnistraining, Spielerunden, Gymnastik, backen, kochen, basteln, malen, Seniorensingen, Filmvorführungen, Geburtstage, Gesprächsrunden, Andachten und vieles mehr werden hier regelmäßig abgehalten.
Meistens 2-3 Programme am Tag.
Sogar eine Wii zum Bowlen gibt es.
Ein kurzer Blick am Wintergarten vorbei in den Garten.
Man hätte es besser fotografieren können. ;)
Auf jeder Etage stehen Sofas zum Klönen und pausieren.
Und auf jeder Etage gibt es einen Speiseraum für rund 20 Personen.
Täglich kann zwischen 2 Mahlzeiten gewählt werden. Das Menü besteht dann aus Vorspeise, Hauptspeise und einem Dessert.
Genauso gibt es kulinarische Leckerbissen zu verschiedenen Anlässen.
Zum Oktoberfest die Weißwurst, St. Martin die Martinsgans, im Sommer das Grillen und im Winter das Muschelessen.

Es gibt einen freundlichen Haushund, der einem manchmal über den Weg läuft. Er bewegt sich im Haus, als wohne er auch dort.

Dann gibt es die Tagesfahrten ins Centro, ins Kino oder auf den Weihnachtsmarkt.
Auch in den Urlaub geht es für mehrere Tage. Einmal nach Münster und Hameln ist meine Mutter mitgefahren. Dann allerdings auf eigene Kosten.

Ferner gibt es im Haus eine eigene Wäscherei.
2x in der Woche bekommt man seine saubere Kleidung auf´s Zimmer gebracht.
Und einen Frisörsalon mit 2 Plätzen gibt es im Souterrain, sowie mehrere Fußpflegerinnen, die aufs Zimmer kommen.

Die Pfleger- und Pflegerinnen sind immer sehr freundlich.
Man kommt sich vor, wie in einer großen Familie.

Was will man mehr, wenn man sich selbst nicht mehr versorgen kann oder will.
Wenn ich dann nach einer Stunde das Haus wieder verlasse, komme ich am Schrank mit dem Gedenkbuch vorbei.
Auch der ist, wie alles im Haus, liebevoll gestaltet.

Eigentlich hatte ich mir geschworen, meine Mutter nur noch links liegen zu lassen.
Zu tief sitz das, was sie uns in Jahrzehnten angetan hat.
Wie viele Jahre hat die Familie und Verwandte in Angst und Verzeiflung gelebt durch ihre Manie.
Das kann man nur verstehen, wenn man es selbst durchmachen mußte.

Auch Hitler litt unter bipolaren Störungen ... und man weiß was dabei heraus kam :(((((

Kommentare:

RosIna´s Allerlei hat gesagt…

Liebe Heike ,deine Mutter ist da sehr gut aufgehoben .Meine Mutter ist 84 will von so was nichts wissen .LG Rosina

Aiko macht sich Gedanken hat gesagt…

Hallo und guten Morgen Heike,
Du hast diesen Rundgang mit ganz viel "Gefühl" festgehalten. Ein sehr ansprechendes und ganz sicher auch sehr gut geführtes Haus. Die Ecken voller Erinnerungen an die früheren gelebten Jahre finde ich sehr schön.
Danke für einen solchen Post. Es lässt die vielen schlechten Einrichtungen ein klein wenig in den Hintergrund rücken.
Wuff und LG
Aiko