Mittwoch, 24. Juni 2015

Zwiespalt ...

... oder der 75. Geburtstag meiner Mutter.

Ich hab lange überlegt, ob ich es hier schreibe!

Die letze Woche war nicht einfach für mich.
Ich steckte mittendrin in einem Zwiespalt: richte ich eine Feier aus oder lass ich sie links liegen.
So, wie sie es jahrelang mit uns gemacht hat.
Gemoppt, gemeckert, schlechtgemacht, angegriffen, aufs übelste beschimpft und mit aller Verwandschaft gebrochen.

Auf der anderen Seite ... es ist meine Mutter und sie wird nur einmal 75 Jahre.

Ich habe alle Augen zugedrückt und durch ...

Habe tagelang geplant, eingekauft, gebacken, gekocht und alle zu uns nach Hause eingeladen.
Sogar 2 Bleche Zupfkuchen gebacken und ins Pflegeheim für die Bewohner gefahren.
Alle haben mich gefragt, warum ich mir das antue. :´(
Und Männe hat brav, wie ich es wollte, Mutter dann mit dem Auto am Sonntag abgeholt.





Wir haben alle trotz dieser Anspannung gut zusammen gesessen.
Unser Enkelchen rettete uns über den Tag.

Bis ... bis Mutter abends auf der Toilette ein großes Malheur passiert ist, alle fluchtartig die Wohnung verließen und mich mit Würgereiz bald 2 Stunden mein Gäste-WC putzen ließ.

NIE WIEDER!
Die nächsten Geburtstage "feiern" wir im Heim.

Ich hab mich dann mit einem großen Glas OUZO und vielen Tränen einfach abgeschossen.

Kommentare:

Gudrun H. hat gesagt…

Hallo liebe Heike,
ich kann Dir sehr gut nachfühlen wie das ist! Ich habe ähnliches erlebt und nach dem Tod meiner Mutter noch weitaus schlimmeres. Während sie ihre letzten Jahre lebte habe ich all meine Wut und meinen Zorn runter geschluckt und mich so gut es ging gekümmert. Immerhin wohnte ich fast 500 km von ihr entfernt und somit war das nicht ganz einfach. Ich habe regelmäßig bei ihr angerufen und mich mit ihr unterhalten. Und als sie im sterben lag, habe ich ihre Hand gehalten. All die schlimmen Dinge die dazwischen passierten, habe ich mich vergessen lassen...
Heute im nachhinein sehe ich es als richtig an und ich bereue es nicht, auch wenn andere dies hinterfragen und mich für dumm halten. Eine Mutter ist und bleibt eine Mutter und man hat meist nur eine davon.
Wenn es auch nicht für das Seelenheil Deiner Mutter wichtig ist wie Du Dich verhälst, aber es ist es für Dich. Du hast alles gegeben und niemand kann Dir einen Vorwurf machen und nur das zählt.
Ich finde es bewundernswert, dass Du den Geburtstag mit soviel Liebe ausgerichtet hast. Vergiss das Malheur am Abend, es ist vorbei und gut ist. Aber Du hast Deiner Mutter einen schönen Tag bereitet und nur das zählt. Erinnere Dich nur an das Gute und das Schlechte vergiss schnell. Denn es wird nur eine Person drunter leiden und das bist Du und dass muss, darf und soll nicht sein.
Du bist eine tolle Frau :)
Schicke Dir ein liebes Grüßle vorbei und drücke Dich virtuell mal ganz fest.
Gudrun :) von Baustelle "Leben"

Heike hat gesagt…

Ach Gudrun,
danke für die lieben Worte.
Es tut gut, zu lesen, dass es auch anderen ähnlich geht.
Nun bin ich ganz in Tränen aufgelöst und muß gleich noch zur Arbeit.
Einen schönen Tag dir und es kann nur besser werden ... das Wetter auch. ;o)
Liebe Grüße zurück!
Heike

Eva Laub hat gesagt…

Liebe Heike,

wir lesen deinen Post gerade in der Pause im Kurs und ich will das gegen
Nachmittag auch zur Diskussion stellen, wenn die Diskussionrunde dran kommt.

Wir sind der Meinung, es kann schon mal passieren, dies Sache mit dem Clo und
ja, es ist nicht schön, aber wie oft hat eine Mutter, wir kennen deine Mutter nicht,
den Dreck schon weggeräumt. Die Kinder als Baby gepflegt usw.

Deine Mutter ist mit 75 Jahren schon im Pflegeheim? Sie ist gerademal 9 Jahre älter als ich?

Jeder Mensch, der so ist oder war wie deine Mutter hat vielleicht im Leben auch nicht viel schönes erfahren und gibt diese Erfahrungen unbewußt auch weiter.

Mir ist ähnliches auch schon mit Jemand passiert, allerdings als wir beim
Arzt waren. Das ist halt so und es passiert eben, auch wenn die alten Menschen
Windeln und Höschen tragen.

Sei nicht traurig, du hast das getan, was möglich war und denke einfach auch daran.
Ich wünsche dir einen schönen Tag.

Ich schreibe auf dem Tablett und es hat eine Weile gedauert, bis ich das so hatte.
Hoffentlich ist alles richtig.

Alles Gute und einen lieben Gruß Eva

Dällerin hat gesagt…

Liebe Heike,
ich kann Dir alles sehr gut nachfühlen... habe ja 14 Jahre meine Mutter gepflegt und im Januar ist sie gestorben.
Sie hat es mir auch nicht leicht gemacht, hat viel an mir rumkritisiert usw. trotzdem ist und bleibt sie mein Mutter. Mein Leben war auch oft sehr eingeschränkt, ich kam mir oft bestraft vor, während andere in Urlaub fuhren und am WE frei hatten, habe ich sie umsorgt, Gut, wir wohnten im Doppelhaus und es war kein Weg. Aber viel viel Arbeit war es trotzdem. Ich habe auch oft geweint und war wütend. Die letzten Jahre waren etwas leichter, weil sie etwas "altersmilder" wurde und ich gelernt habe damit umzugehen. Aber ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich alles für sie getan habe. Nun ist mein Elternhaus nebenan vermietet, das komplette Haus habe ich renoviert. Es ist sehr befremdlich für mich, nicht mal einfach rüberzugehen... keine Mutter mehr da.
Ich kann mich Eva und Gudrun nur anschließen.
Diese schlimmen Dinge, wie das Malheur auf dem Klo sind später vergessen.
Ärger Dich nicht.
Alles Gute
LG Marita

Heike hat gesagt…

Hallo Eva,
da hatte mein eigentlich privater Beitrag auch noch einen praktischen Wert.
Das Malheur, wie ich es nannte, war dann der Gipfel des Tages, an dem ich so viel Zorn und Wut runter schlucken musste.
Genauso, wie Gudrun es oben beschrieb.
Danke für die lieben Worte.
LG - Heike

Heike hat gesagt…

Hallo Marita,
14 Jahre sind eine lange Zeit.
Das ist es bei mir auch schon.
Selbst jetzt im Heim liegt die Betreuung, Behördengänge, Arztbesuche und Krankenhausbetreuung immer auf meinen Schultern.
Und das alles schon immer ohne ein Danke von meiner Mutter. :(
Aber mein Mann hilft mir und ich versuche all diese negativen Dinge nicht so sehr zu verinnerlichen.
Bin eigentlich ein positiver Mensch ... doch manchmal zieht mich das arg runter.
Auch Dir danke ich und liebe Grüße - Heike